ETF Musterdepot: Meine 5 Dividenden-ETFs (ISIN + Strategie)

Heute startet mein erstes Musterdepot. Fünf ETFs, 100 Euro im Monat, komplett öffentlich dokumentiert. Das hier ist der Kern meines Portfolios. Es soll die nächsten Jahrzehnte laufen, den gesamten Aktienmarkt abdecken und automatisch für mich arbeiten.

Die anderen beiden Musterdepots, die ich parallel aufbaue, machen etwas anderes: gezielte Einzelaktien-Käufe mit aktiver Auswahl. Dieses ETF-Depot ist das ruhige Fundament. Sparplan rein, Dividenden werden gezahlt, fertig.

Die drei Depots auf Renditerezept
  • Dieses Depot (Core): ETF-Sparplan, 5 Positionen, deckt den Weltmarkt ab, läuft „für immer"
  • Cashflow-Depot: Einzelaktien mit hoher monatlicher Ausschüttung
  • Dividenden-Wachstums-Depot: Einzelaktien mit starkem Dividendenwachstum

Warum mache ich das öffentlich? Weil mich die meisten Finanzblogs stören. Entweder erklären sie dir auf 20 Artikeln, was ein ETF ist. Oder sie zeigen ein Portfolio, sagen aber nicht, warum. Ich will den Mittelweg: ein echtes Depot, jede Entscheidung nachvollziehbar, jeder Fehler sichtbar.

Das Portfolio auf einen Blick
ETF Monatlich Gewicht
WisdomTree Global Quality Dividend Growth IE00BZ56RN96 · TER 0,38 % 52,50 € 52,5 %
L&G Quality Dividend ESG Global IE0005AJA0P1 · TER 0,29 % 30,00 € 30,0 %
WisdomTree EM Equity Income IE00BQQ3Q067 · TER 0,46 % 12,50 € 12,5 %
WisdomTree Europe SmallCap Dividend IE00BQZJC527 · TER 0,38 % 2,50 € 2,5 %
WisdomTree EM SmallCap Dividend IE00BQZJBM26 · TER 0,54 % 2,50 € 2,5 %

Das Portfolio hat in meinem eigenen Scoring-Framework (28 Dimensionen, 9 Kategorien) eine Bewertung von 85,6 von 100 bekommen. „Good", nicht „Excellent", und das ist beabsichtigt. Ein paar Kompromisse stecken drin, die ich gleich offen zeige. Gewichteter TER liegt bei 0,367 Prozent, die aktuelle Dividendenrendite bei 2,92 Prozent. Das 5-Jahres-Dividendenwachstum der Holdings kommt auf 7,08 Prozent pro Jahr.

Warum dieses Musterdepot?

Drei Gründe, die miteinander zusammenhängen.

1. Qualität vor hoher Rendite. Wenn eine Aktie 8 Prozent Dividende zahlt, ist das selten ein gutes Zeichen. Meistens heißt es: Der Kurs ist abgestürzt, die Firma hat Probleme, die nächste Dividendenkürzung kommt. Das nennt sich Value Trap. Meine ETFs filtern deshalb nicht auf „höchste Dividende", sondern auf gesunde, profitable Unternehmen, die sich die Dividende leisten können.

2. Steigende Dividenden statt hoher Dividenden. Ein Unternehmen, das seit 15 Jahren jedes Jahr mehr ausschüttet, beweist damit etwas über sein Geschäftsmodell. Ein Unternehmen mit 8 Prozent Yield, das alle paar Jahre kürzt, ist für mich unattraktiv. Wachstum schlägt Höhe.

3. Nicht zu viel USA. Die meisten „Weltportfolios" stecken zu 60 bis 70 Prozent in US-Aktien. Das ist eine große Wette auf ein Land. Mein Depot hat bewusst nur 38,9 Prozent USA. Dazu 17 Prozent Europa, 9,6 Prozent Japan, 15 Prozent Emerging Markets und 19,6 Prozent in anderen Industrieländern wie UK, Australien oder Kanada. Ausgewogener.

Die Strategie in einem Satz

Zwei große Quality-Dividend-ETFs als Fundament, ein EM-ETF als Ergänzung, zwei winzige SmallCap-Positionen zum Würzen. So einfach ist der Gedanke.

Das nennt sich Core-Satellite-Prinzip und funktioniert wie eine Mahlzeit: Der große Teller (Core) macht dich satt, die Beilagen (Satelliten) bringen Abwechslung. Nur mit Beilagen wirst du nicht satt. Nur mit Hauptgericht wird es langweilig.

Die Aufteilung in Zahlen
  • 82,5 % Core: Zwei globale Quality-Dividend-ETFs (WisdomTree + L&G)
  • 12,5 % Ergänzung: Emerging Markets für Diversifikation
  • 5 % Würze: Zwei SmallCap-Positionen für den Extra-Kick

Ein Detail, das wichtig ist: Im Core kombiniere ich bewusst zwei verschiedene Anbieter. WisdomTree und L&G suchen beide nach „Qualitäts-Unternehmen mit Dividende", nur auf unterschiedlichen Wegen. WisdomTree schaut auf Gewinnwachstum und Profitabilität. L&G verlangt zusätzlich 10 Jahre steigende Dividenden. Wenn einer der beiden Ansätze irgendwann schlechter läuft, zieht es nicht das halbe Depot runter.

Der Core: 82,5 Prozent in zwei Quality-ETFs

Position 1: WisdomTree Global Quality Dividend Growth (52,5 %)

WisdomTree Global Quality Dividend Growth UCITS ETF

ISIN
IE00BZ56RN96
TER
0,38 %
Dividendenrendite
2,10 %
Holdings
~600
Ausschüttung
Quartalsweise
Track Record
10+ Jahre

Warum der größte Anteil? Weil er der bewährteste Baustein ist. Der ETF filtert weltweit auf profitable Unternehmen mit wachsender Dividende. 5-Jahres-Rendite ~12 Prozent pro Jahr, unter 10 Prozent Financials-Anteil (das ist ungewöhnlich niedrig und gut), und eine solide Japan-Beimischung (~10 Prozent). Top-Holdings: Microsoft, Apple, Broadcom, AbbVie, Toyota, Coca-Cola.

Position 2: L&G Quality Dividend ESG Global (30 %)

L&G Quality Dividend ESG Global UCITS ETF

ISIN
IE0005AJA0P1
TER
0,29 %
Dividendenrendite
~3,77 %
Holdings
938
Ausschüttung
Monatlich
Gewichtung
Equal-Weight

Warum trotz fehlender Historie? Der ETF ist erst wenige Monate alt, also gibt es keine 5-Jahres-Rendite. Das ist ehrlich gesagt das größte Risiko in diesem Depot. Aber die Methodologie ist exzellent: Pflicht sind 10 Jahre positives Dividendenwachstum, Top-25-Prozent-Yield und ESG-Screen. Equal-Weighted über 938 Positionen bedeutet: keine einzige Aktie dominiert, mehr Mid-Cap-Exposure als im Standard-Index. Dazu nur 28 Prozent USA und 18 Prozent Japan. Das holt den US-Overload runter.

Die Kombination aus diesen beiden ETFs gibt mir zwei verschiedene Definitionen von „Quality" in einem globalen Depot. WisdomTree ist cap-gewichtet, L&G equal-gewichtet. Beide haben einen strengen Filter. Die Überlappung zwischen den beiden liegt bei etwa 18 Prozent. Niedrig genug, dass es echte Diversifikation ist.

Der Satellit: 12,5 Prozent Emerging Markets

WisdomTree Emerging Markets Equity Income UCITS ETF

ISIN
IE00BQQ3Q067
TER
0,46 %
Dividendenrendite
4,03 %
Holdings
~500
Fokus
EM Large-Cap
KGV
8,5

Warum 12,5 Prozent? EM ist strukturell anders als Developed Markets. Weniger Korrelation zum MSCI World, andere Wachstumstreiber, deutlich niedrigere Bewertung (KGV 8,5 statt 22 bei US-Large-Caps). Der Anteil ist bewusst moderat. Ich will EM-Exposure, aber keine Wette darauf. Top-Holdings sind Staatsbanken wie China Construction Bank, CNOOC, Vale, Petrobras. Hoher Yield, niedrige Korrelation zum Rest meines Depots.

Die SmallCap-Satelliten: 5 Prozent Size-Prämie

Zwei winzige Positionen von je 2,5 Prozent. Das klingt nach wenig, und das ist es auch mit Absicht.

SmallCaps in Sparplan-fähigen, ausschüttenden UCITS-ETFs sind in Europa faktisch ein Monopol von WisdomTree. Die US-Version wurde 2020 liquidiert. iShares und Vanguard bieten nur thesaurierende SmallCap-ETFs an. Meine einzige Option für Cashflow-fokussierte SmallCaps sind also der WisdomTree Europe SmallCap Dividend (IE00BQZJC527) und der WisdomTree EM SmallCap Dividend (IE00BQZJBM26).

Beide haben einen hohen TER (0,38 und 0,54 Prozent) und ein relativ kleines Fondsvolumen (40 bis 50 Millionen Euro). Deshalb bleiben sie klein im Depot. Mir reicht, dass die Size-Prämie überhaupt drin ist. Historisch haben SmallCaps eine Mehrrendite gegenüber Large-Caps geliefert, besonders wenn sie gescreent sind auf Dividenden und Qualität.

Offen gesprochen

Wenn WisdomTree die SmallCap-ETFs eines Tages schließt (was bei kleinen Fondsvolumina passieren kann), werden die 5 Prozent auf die anderen Positionen verteilt. Kein Drama, aber ein Risiko, das ich bewusst eingehe.

Warum genau diese Gewichtung?

Die Zahlen sehen krumm aus, haben aber Logik. Jede Position hat eine Aufgabe:

Unterm Strich stecken durch die fünf ETFs rund 700 einzelne Aktien in meinem Depot. Der größte Einzelwert ist Microsoft mit 2,41 Prozent. Apple 2,06 Prozent. Broadcom 1,61 Prozent. Kein Klumpen, breit verteilt.

Sektoren: Breit gestreut

Die Branchen im Depot sind bewusst ausgeglichen. Die drei größten Sektoren sind Finanzdienstleister (17,3 %), Industrie (16,3 %) und Technologie (14,6 %). Danach folgen Gesundheit, Konsum, Kommunikation, Rohstoffe und mehrere kleinere.

Warum das wichtig ist: Viele Dividenden-ETFs sind heimliche Banken-ETFs. Der bekannte Vanguard All-World High Dividend hat über 30 Prozent Finanzdienstleister. Bei mir sind es 17 Prozent. Wenn der nächste Bankencrash kommt, wird mein Depot weniger zerquetscht.

Wie ich das umsetze

Alle fünf ETFs laufen als monatlicher Sparplan. Einmal eingerichtet, dann vergessen. Jeder Euro geht automatisch an die richtige Stelle.

Mein Broker ist finanzen.net Zero. Sparpläne sind dort kostenlos und alle fünf ETFs aus diesem Depot lassen sich abbilden. Welcher Broker passt, ist Geschmackssache. Wichtig sind drei Dinge: kostenlose Sparpläne, deine ETFs im Angebot, ausschüttende Varianten wählbar.

Rebalancing mache ich nicht aktiv. Durch den Sparplan bleibt das Verhältnis von selbst stabil, weil jeden Monat die gleichen Anteile in dieselben ETFs fließen. Erst bei einer größeren Einmalzahlung (geplant für später dieses Jahr) wird bewusst neu gewichtet.

Die nächsten Updates direkt ins Postfach

Jeden Sonntag: Marktwoche, Portfolio-Update, ein klarer Gedanke. Kostenlos, kein Spam.

Newsletter abonnieren

Was kann schiefgehen?

Ehrlich: einiges. Die fünf Punkte, die mir am meisten im Kopf sind.

1. Der L&G-ETF ist jung. Wenn zu wenig Anleger einzahlen, kann er im schlimmsten Fall geschlossen werden. Dann müsste ich den Anteil in WisdomTree umschichten und das löst Steuern aus. Ärgerlich, aber kein Drama. L&G selbst ist ein riesiger Vermögensverwalter, Schließung ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

2. Drei von fünf ETFs sind von WisdomTree. Wenn dieser Anbieter eine Entscheidung trifft, die mir nicht passt (etwa: Methodologie ändern), zieht sich das durch das halbe Depot. Ich schlafe trotzdem gut, aber das Klumpenrisiko ist da.

3. Im EM-ETF sitzen Staatskonzerne. Chinesische Staatsbanken, Petrobras, CNOOC. Das sind Unternehmen, bei denen Politik mitmischt. Manche lieben das, andere hassen es. Ich nehme es in Kauf für die Diversifikation.

4. Währungsrisiko. Die Aktien im Depot stehen in Dollar, Pfund, Yen und so weiter. Wenn der Euro stark steigt, drückt das meine Rendite in Euro. Umgekehrt genauso. Nichts, was man weg-hedgen müsste, aber man sollte es wissen.

5. Quality und Dividende können schwächeln. Es gab historisch Jahrzehnte, in denen andere Faktoren (Wachstum, kleine Firmen) besser liefen. Heißt nicht, dass der Ansatz kaputt ist. Heißt nur: Kein Garantieschein auf Rendite.

Was kommt als Nächstes?

Dieses ETF-Depot ist mein ruhiger Kern und bleibt so, wie er ist. Dazu kommen noch zwei Depots mit Einzelaktien, die gezielt ergänzen:

Alle drei Depots werden am ersten Samstag jeden Monats aktualisiert. Mit Screenshots, allen Käufen, allen Verkäufen und einem Performance-Vergleich gegen den MSCI World.

↓ alle Fragen, die ich selbst gestellt habe

Häufige Fragen

Welche 5 ETFs sollte man haben?

Mein ETF-Musterdepot hat: WisdomTree Global Quality Dividend Growth (52,5 %), L&G Quality Dividends ESG (30 %), WisdomTree EM Equity Income (12,5 %), WisdomTree Europe SmallCap Dividend (2,5 %) und WisdomTree EM SmallCap Dividend (2,5 %). Alle ausschüttend, alle mit Quality-Screen. Ob das „das Richtige" für dich ist, hängt von deinem Zeithorizont, deiner Risikobereitschaft und deiner Steuersituation ab.

Was ist ein Musterdepot?

Ein Musterdepot ist ein transparent dokumentiertes Portfolio, das als Referenz oder Lernbeispiel dient. Alle Käufe, Verkäufe und Gewichtungen sind öffentlich. Auf Renditerezept führe ich drei Musterdepots parallel, damit sich verschiedene Strategien vergleichen lassen. Du kannst meine Entscheidungen nachvollziehen, ohne sie kopieren zu müssen.

Welcher ETF hat das höchste Dividendenwachstum?

Quality-fokussierte ETFs liefern historisch das stärkste Dividendenwachstum. Der WisdomTree Global Quality Dividend Growth (IE00BZ56RN96) ist ein Beispiel: Filterung auf profitable Unternehmen mit stabilem Cashflow. Mein Portfolio kommt gewichtet auf 7,08 Prozent durchschnittliches 5-Jahres-Dividendenwachstum. Reine Hochdividende-ETFs schneiden bei Dividendenwachstum deutlich schlechter ab, weil sie oft Value Traps enthalten.

Sind Dividenden-ETFs sinnvoll?

Ja, wenn du Wert auf regelmäßige Ausschüttungen legst und Quality-Screens nutzt. Reine Hochdividende-ETFs wie der Vanguard All-World High Dividend (~9,8 Prozent 5-Jahres-Rendite) haben historisch schlechter abgeschnitten als Quality-Dividend-ETFs (~12 bis 16 Prozent). Der Grund: Hohe Yields signalisieren oft finanzielle Probleme der Unternehmen, nicht deren Qualität.

Was ist die 70/30 Regel bei ETFs?

Die 70/30 Regel teilt das Depot in 70 Prozent Industrieländer (MSCI World) und 30 Prozent Emerging Markets. Mein Musterdepot folgt der Logik lose: 82,5 Prozent Developed Markets, 15 Prozent EM und 2,5 Prozent reine Europa-Exposure über SmallCap. Etwas weniger EM als die klassische Regel, dafür mehr Faktor-Diversifikation über Quality und Size.

Warum nicht einfach einen MSCI World ETF?

Berechtigte Frage. Für viele Einsteiger ist der MSCI World tatsächlich die beste Wahl. Ich wähle bewusst eine aktivere Aufteilung aus drei Gründen: weniger USA als die 60 bis 70 Prozent im MSCI World, ausschüttende Dividenden statt Thesaurierung, Quality-Filter als Extra-Sieb. Wer keine starke Meinung dazu hat, ist mit einem FTSE All-World oder MSCI ACWI bestens bedient.

Bei welchem Broker läuft das Depot?

Ich nutze finanzen.net Zero. Sparpläne sind kostenlos, alle fünf ETFs aus diesem Depot lassen sich dort abbilden. Andere kostenlose Alternativen: Trade Republic, Scalable Capital oder ING. Wichtig bei der Auswahl: kostenlose Sparpläne auf die gewünschten ETFs, ausschüttende Varianten im Angebot.

Fazit

Das hier ist der Kern meines Portfolios. Fünf ETFs, die zusammen den Weltmarkt abdecken. Keine wilden Wetten, kein Hin-und-Her, nur ein ruhiger Sparplan, der Jahrzehnte laufen soll. Die ETFs filtern nach Qualität und Dividende, haben 38,9 Prozent USA und 15 Prozent Schwellenländer. Gesamtkosten: 0,367 Prozent pro Jahr.

Wichtig: Das ist mein Depot, nicht deines. Ich zeige, wie ich denke, welche Zahlen dahinterstehen und welche Risiken ich in Kauf nehme. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Das nächste Update kommt am ersten Samstag im Mai mit den ersten echten Käufen und Screenshots aus dem Depot.

Wichtiger Hinweis – keine Anlageberatung: Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung im Sinne des §34f GewO dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und ggf. nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.